Festivalchronik
Festivaljahr:    


Das deutsch-deutsche Verhältnis wird schlechter

Blick in die Peterstraße (16.11.1967, Quelle: Archiv Leipziger Volkszeitung)
Blick in die Peterstraße (16.11.1967, Quelle: Archiv Leipziger Volkszeitung)

Wie auch schon in den Vorjahren, kommen die bedeutendsten Dokumentarfilmer der Zeit zum Jubiläum nach Leipzig: Mit dabei sind Joris Ivens, Paul Rotha, Chris Marker, Alberto Cavalcanti, Roman Karmen, Jerzy Bossak und Erwin Leiser.

Die Stimmung wird auch durch den 50. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution geprägt, vor allem, da die diesjährige Retrospektive "50 Jahre sowjetischen Dokumentarfilm" thematisiert. Die Regierung verbietet allerdings die Aufführung tschechoslowakischer Filme, die erste Anzeichen des "Prager Frühlings" vermitteln.

Absolut frei hingegen kann der Leipziger "Filmclub" über sein Programm entscheiden; zum Jubiläum wird in einer nächtlichen Vorführung der eigentlich verbotene Film Jürgen Böttchers "Der Sekretär" gezeigt. Die Vorstellung ist überfüllt, wohl auch, da die Festivalleitung den Film nicht in das offizielle Programm aufgenommen hat. In den kommenden Jahren werden derartige Nischen jedoch mehr und mehr abgeschafft. [in: Fred Gehler: Über die Anmaßung des Künstlers, in: Leipziger Dok-Filmwochen: Seismogramm(e) des Augenblicks. Texte zu Jürgen Böttcher, Leipzig 2001]

Während im Podiumsgespräch über "Stand, Probleme und Gegenwartsaufgaben des Dokumentarfilms in den arabischen Staaten" diskutiert wird, organisieren Studenten der Hochschule für Filmkunst aus der DDR einen Freilassungsaufruf für Mikis Theodorakis, an dem sich hunderte von Festivalteilnehmern beteiligen.

"Loin du Vietnam" erhält die Silberne Taube in der Kategorie "Langer Dokumentarfilm". Ebenso wie "Hanoi, Martes 13" von Santiago Alvarez und Jerry Stolls "Sons and Daughters" nimmt er das Hauptthema (Vietnam) des letzten Jahres wieder auf.
Das deutsch-deutsche Verhältnis zwischen den Dokumentarfilmschaffenden beginnt langsam zu bröckeln: Vom Verband der westdeutschen Kurz- und Dokumentarfilm-Produzenten kommt der Aufruf, das Festival nicht zu besuchen.


Goldene Tauben
PLECHOV A NEDELE (BLASMUSIK AM SONNTAG, ČSSR, Pavel Hása)
SONS AND DAUGHTERS (SÖHNE UND TÖCHTER, USA, Jerry Stoll)
HANOI, MARTES 13 (HANOI, DIENSTAG, DER 13., Kuba, Santiago Alvarez)
DRUG GORKOVO – ANDREJEVA (FREUND GORKIS – ANDREJEWA, UdSSR, Semjon Aranovič)
ZNATIZELJA (DIE NEUGIERDE, Animation, Jugoslawien, Borivoi Dovnikovič)

Silberne Tauben
DJECA IZ PAKLA (KINER DER HÖLLE, Jugoslawien, Suad Mrkonjič)
ENEMIES OF FREEDOM (FEINDE DER FREIHEIT, VAR, Said Marzoouk)
ENERGIA (ENERGIE, Polen, Wladyslaw Slesicki)
MUZEUM (MUSEUM, Polen, Jerzy Ziarnik)
LOIN DU VIETNAM (FERN VON VIETNAM, Frankreich, Alain Resnais, William Klein, Joris Ivens, Varda, Lelouch, Godard u.a.)
IDEMITSUMARU (Japan, Minoru Tanaka)
7 SÄTZE ÜBER DAS LERNEN (DDR, Peter Ulbrich)
AUS DEM PARADIES VERTRIEBEN (Animation, Bulgarien, Todor Dinov)

Sonderpreis der Jury
DAS DOKUMENTARFILMSCHAFFEN DER UdSSR

 
Die Fakten in dieser Chronik wurden nach bestem Wissen und Gewissen aus verschiedenen aktuellen und historischen Quellen zusammengetragen. Besonderer Dank gilt Ralf Schenk und Dr. Heidi Martini für ihre Unterstützung.
Falls Sie Ergänzungen haben sollten, wenden Sie sich bitte an presse@dok-leipzig.de.
Die Quellenangaben beziehen sich auf die Werke, die Sie hier aufgelistet finden.