Obwohl erneut internationales Publikum anwesend ist, dürfen Filme aus dem Ausland nicht am Wettbewerb teilnehmen. Allerdings lässt man sie im Informationsprogramm vorführen.
Viele der Filme - u.a. der hier mit einem Hauptpreis ausgezeichnete "Martins Tagebuch" von Heiner Carow (DDR) - durchlaufen vor ihrer Ausstrahlung Zensuren, da Tristes und Pessimistisches von Seiten der Regierung nicht erwünscht ist. Die politische Einflussnahme auf das künstlerische Programm sowie auf die Gestaltung des Festivals wird von der Presse kritisch beobachtet; Die Deutsche Volkszeitung spricht beispielsweise von einer "gesamtdeutschen Blamage" [Düsseldorf, 17.11.1956].
Weiter gehen die Redakteure von Neues Deutschland sowie Die Welt: Sie vergeben "Gesamtdeutsche Gartenzwerge" für die schlechtesten Filme; die offizielle Jury - darunter Karl Gass, Hilmar Hoffmann und Hans Rodenberg - schließt sich den kritischen Einschätzungen über die Qualität der Filme an und fordert für das nächste Jahr Strukturänderungen. So soll die Trennung im Wettbewerb zwischen deutschen und ausländischen Filmen aufgehoben werden und eine Auswahlkommission zusammengestellt werden, deren Kriterien höher angelegt sind. Es wundert kaum, dass auch der Preis des Ministeriums für Kultur wegen geringer Qualität der Beiträge nicht vergeben wird.
Preisträger
MARTINS TAGEBUCH (DDR, Heiner Carow)
EIN KIND UND SEINE WELT (DDR, Jiři Jahn und Robert Eisenmeyer)
Eine ehrenvolle Anerkennung wurde den Filmen EINE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE (DDR, Trickfilm, Kurt Weiler) und ARTISTEN DES HAFENS (BRD, Wolf Hart) ausgesprochen.