Die Idee zur "1. Gesamtdeutschen Leipziger Woche für Kultur- und Dokumentarfilm“ entstand innerhalb einer Gesprächsrunde des „Clubs der Filmschaffenden der DDR“: Der westdeutsche Journalist und Filmkritiker Ludwig Thomés schlug vor, mit Leipzig einen Gegenpart zu Mannheim zu schaffen und so Produktionen aus der DDR eine Plattform zu bieten.
Karl Gass, Günter Klein und Wolfgang Kernicke richteten ein Schreiben zur Durchführung einer Filmwoche an den Kulturfonds und schließlich kam man bei folgenden Punkten überein: Der Rat der Stadt Leipzig sowie der Club sind gemeinsam Gastgeber und Veranstalter, wobei der Club die Finanzierung übernimmt.
Unter der Leitung des Festivaldirektors Wolfgang Kernicke findet das erste unabhängige Filmfestival der DDR vom 11. bis 17. September 1955 statt. Hierbei folgt man einem klaren Konzept: Prägend ist der gesamtdeutsche Charakter und die Jury wird paritätisch besetzt.
Es herrscht reger Zuschauerandrang, allein 1.000 Besucher kommen zur Eröffnungsveranstaltung im „Capitol“, bei der u.a, "Aladin mit der Wunderlampe“ (DDR) und "Wunder der Bienenwelt“ (BRD) gezeigt werden. Es sind auch 37 ausländische Gäste anwesend.
Unschönes Ereignis am Rande: Der Bürgermeister Leipzigs lädt Presse, Funktionäre und Produzenten aus Westdeutschland ein, vergisst jedoch die ostdeutschen Journalisten. [Christiane Mückenberger]
Hiermit ist die Möglichkeit zum deutsch-deutschen Austausch geschaffen – teils gehen die Gespräche der Filmschaffenden bis halb acht Uhr morgens [Filmspiegel, in: Heidi Martini, in: Schenk] – und durch den positiven Ablauf hoffen alle Beteiligten auf ein weiteres Fortbestehen.
Preisträger
COUP D'EUROPE (BRD, Walter Knoop) erhielt einen Sonderpreis auf dem Gebiet der Förderung der Freundschaft zwischen den Völkern, sowie eine Anerkennung des Rates der Stadt Leipzig.
ZIMMERLEUTE DES WALDES (BRD, Heinz Sielmann)
TILL EULENSPIEGEL UND DER BÄCKER VON BRAUNSCHWEIG (Animation, DDR, Johannes Hempel)